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Verschmähte Liebe

Er kam in den frühen Morgenstunden.
Leise.
Es war kein Kommen, nein, eher ein Schleichen. Ein Unheil verkündetes Schleichen. Die Zeit hielt den Atem an. Für einen kurzen Augenblick.
Er lauschte ins Nichts, verharrte kurz, dann schlich er weiter auf das Bett zu. Dort schlummerte sie mit einem seligen Lächeln im Gesicht. Nicht mehr lange.
Er schnupperte. Sie duftete süß. Er liebte ihren Geruch. Liebte ihn über alles, konnte an nichts anderes mehr denken. Warum nur wollte sie diesen Umstand nicht akzeptieren? Warum verschmähte sie seine Liebe?
Er seufzte stumm, doch er konnte nicht verhindern, dass ein leiser Klagelaut seiner Kehle entrann.
Psst! Stille! Verharren.
Er atmete auf. Sie hatte es nicht gehört, lächelte weiter im Schlaf. Konnte er es wagen, noch einen Schritt weiter zu gehen. Und noch einen und noch einen?
Langsam pirschte er sich bis zur Bettkante vor.
Hmmmm! Dieser süße Duft, der sie umgab. Eine köstliche Mischung aus Vanille, Rosenöl und Lavendel. Nein, er konnte nicht widerstehen.
Er stand nun direkt vor ihr … und wurde schwach. Vorsichtig ließ er seine Nase über ihr Gesicht gleiten und hauchte einen zärtlichen Kuss auf ihre Wangen.
Sie seufzte im Schlaf – und er seufzte auch. Ein wenig lauter als beim ersten Mal. Hach, wie sie lächelte! Ob sie von ihm träumte? Ganz gewiss. Aber Hallo! Er war doch da. Ganz nah.
Jetzt! Jetzt konnte er sich nicht mehr unter Kontrolle halten. Zart, ganz zart strich er mit der Zunge über ihre Wange. Seine ganze Liebe schenkte er ihr in diesem Augenblick.
Sie seufzte wieder, und er wiederholte seinen feuchten Kuss, verlor die Kontrolle und küsste und küsste und … und dann war sie erwacht.
„Wäh! Hau ab, du Hund! Es ist noch nicht mal fünf Uhr!“
Laut gellte ihre Stimme durch den Raum. „Ab und Platz und Ruhe!“
Er seufzte tief. Wieder verschmähte sie ihn und seine Liebe zu ihr. Er konnte es nicht verstehen. Tief getroffen und ein bisschen gekränkt zog er sich zurück und rollte sich auf seinem Kissen zusammen. Bestimmt hat sie nur schlecht geträumt, überlegte er. Ich werde ihr noch eine Chance geben. In fünf Minuten oder so. Bestimmt würde sie dann begreifen. Oder?

1+anna+denkt+nach

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