Marienkäfersommer und Hochzeitsglück

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Marienkäfersommer und Hochzeitsglück

Viele Marienkäfer gab es in jenem Sommer. Fast zu viele. Überall flogen und brummten und krabbelten sie herum. Sie saßen auf den Blättern der Sommerbüsche, auf Kräutern, Gräsern, Blüten, ja, selbst in den Johannisbeer- und Himbeersträuchern, wo sie sich mit ihrer roten Farbe nur wenig von den Früchten unterschieden.
„Man muss aufpassen, dass man sich beim Beerennaschen nicht aus Versehen einen Marienkäfer in den Mund steckt“, sagte eine junge Frau.
Ihre Freundin lachte. „Wir haben einen Marienkäfersommer“, antwortete sie. „Marienkäfer bringen Glück und Glück ist immer willkommen.“
„Und wie!“, sagte die junge Frau. „Übermorgen feiern wir Hochzeit und ich wünsche mir, dass wir ein glückliches Leben miteinander haben werden, mein Michael und ich.“
Wieder lachte ihre Freundin. „Ganz gewiss, meine liebe Ulrike“, sagte sie. „So sehr musstet ihr für euer Glück kämpfen.“
Ulrike nickte. „Ich wünsche mir, dass du recht behältst“, antwortete sie. Sie seufzte. „Aber nun lass uns weiter Beeren pflücken. Es ist viel vorzubereiten. Wir müssen zwei Himbeerkuchen, eine Johannisbeertorte und mehrere Blechkuchen mit Beeren, Aprikosen und Mirabellen für die Gäste und die Nachbarn backen. Damit möchte ich mit ihnen unser Glück zum Hochzeitstag teilen, auch wenn es nur ein kleines Kuchenglück ist.“
„Aber ein süßes Glück ist es allemal.“ Ulrikes Freundin griff in die Zweige des Himbeerstrauches, pflückte ein paar Beeren und streifte gleich wieder drei vorwitzige Glückskäfer von den Beeren ab. „Was für ein gutes Omen! Wir sollten sorgsam auf diese niedlichen kleinen Glücksbringer aufpassen.“ Behutsam setzte sie die Käfer auf ein Blatt zurück.
Dann arbeiteten die jungen Frauen weiter.

„Die Glückskäfer sind uns in jenem Marienkäfersommer immer wieder bei den Hochzeitsvorbereitungen begegnet“, erzählte Uroma Ulrike. „Und bei der Hochzeit setzte sich ein Marienkäfer mitten auf die Margeritenblüte, die die Nadel meines Brautschleiers verzierte. Dort blieb er die ganze Zeit, die wir bei Kaffee und Kuchen im Garten verbrachten, sitzen. Ich glaube, er hat uns Glück gebracht. Er und seine Freunde, die uns in jenem Marienkäfersommer besucht hatten.“
Für einen leisen Moment schloss Uroma Ulrike die Augen. Bestimmt dachte sie jenen Sommer vor sechzig Jahren zurück. Das Glück war wirklich oft in ihrer Ehe zu Gast gewesen und ist es noch immer.
Sie lächelte. Dann fuhr sie aus ihren Träumen hoch.
„Oh!“, sagte sie. „Wir sollten uns beeilen, wenn wir nachher einen frischen Kuchen haben wollen.“
Sie saß mit ihren Urenkelkindern im Obstgarten bei den Himbeersträuchern und pflückte Beeren für einen Himbeerkuchen. Und der Marienkäfer, der auf ihrer Bluse saß und sie wie eine glänzende Brosche schmückte, ‚pflückte‘ mit. Fast könnte man meinen, dieser kleine Kerl, der Oma Ulrike gerade an ihre Hochzeit erinnert hatte, lauschte genau so interessiert der Geschichte wie ihre Urenkel.

© Elke Bräunling

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Viel Spaß
🙂