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„Es regnet und keiner hat mich lieb!!!“

Es regnet, und keiner hat sie lieb???

Die Nachricht per SMS schreckt aus träger dröger Sonntagsdösigkeit.
Es regnet und keiner hat sie lieb? Mit drei Ausrufezeichen?
Nein, das kann nicht angehen.

„Es regnet … und keiner hat sie lieb! Und wenn du hier nun helfen magst, so schicke eine „Ich-mag-dich-auch-wenn-es-regnet-SMS“ an 0171-123456789 und diese SMS hier leite weiter an drei dir besonders liebe Adressaten“,
tippe ich als Kurznachricht und schicke diese an drei mir besonders liebe Bekannte weiter, grinse und vergesse die Geschichte ganz rasch wieder. Mir ist nämlich, als hätte ein klitzekleiner Sonnenstrahl es versucht, sich durch das Wolkengewurle am Himmel zu stehlen. Dachte ich. Ist aber nicht. Egal.
Ich lehne mich zurück, Schreibblöckchen auf den Knien und träume mich mit Stift und Papier wieder in andere Welten. Welten, in denen es zuweilen auch regnet, denn ich mag jene zuckersüßen ImmerSonneWonneWelten, gedruckt auf Papier, nur sehr begrenzt leiden.

Es regnet den ganzen Tag weiter … Witzbolde sagen, „Heute regnet es nur einmal! Hahaha!“, äh, ja … also es regnet und ich träume und schreibe und schlürfe wahlweise Espresso und Ingwertee und schreibe wieder und träume und …
Das Handysignal weckt mich erneut aus meiner Dösigkeit.

„Es regnet … und keiner hat sie lieb! Und wenn du hier nun helfen magst, so schicke eine „Ich-mag-dich-auch-wenn-es-regnet-SMS“ an 0171-123456789 und diese SMS leite weiter an drei dir besonders liebe Adressaten“,
lese ich auf dem Display, murmle „Wie schön, Herr xy, habe schon ewig nichts mehr von dir gehört!“ und leite das Ganze wieder – anderweitig dieses Mal – weiter.

„Es regnet … und keiner hat sie lieb! Und wenn du …“.

Noch einige Male erreicht mich diese SOS-Meldung und mein Gewissen schwärzt sich dunkel ein, nimmt Regenwolkenfarben an. Was habe ich da bloß angerichtet?
Irgendwann wage ich es nicht mehr, aufs Display meines Handys zu sehen. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß … Doch heiß und heißer wird mir – mit jedem Signalton ein bisschen mehr.
Ich atme tief durch, greife – ein letztes Mal – zum Handy, tippe:
„Es regnet und ich schwitze Blut. Kannst du mir verzeihen, liebste Freundin? PS: Und ja, ich hab dich lieb…“

Die Antwort kommt prompt.
Ich dich auch… Es ist ein so wundervoller Tag heute. Du glaubst nicht, was hier los ist, doch das erzähle ich dir morgen. Jetzt habe ich keine Zeit. Bussi…!“

Hmpf!!!
Es regnet und keiner hat mich lieb!!!, denke ich, blicke zum Handy … und bedauere es fast ein bisschen, dass diese Geschichte hier nichts weiteres ist als eine Geschichte …

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