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1. November

„November ist dunkel, trist, mausgrau, nasskalt, nebelig …
November macht traurig, müde, unfroh, depressiv …“

November, du Armer!
Du stummer, bescheidener Kerl!
Wie negativ bist du doch besetzt!
Für mich bist du ein Monat der leisen Wunder!
Wenn du uns in der Natur nämlich etwas zauberst, so ist es zart und auf wehmütige Weise schön und, ja, und zauberhaft. Wundervolle stille Bilder malst du draußen auf Wiesen und Feldern, in Parks, Gärten und Wäldern mit deinen im sanften Licht der Sonne silbrig glimmernden Nebelschleiern. Und auf ganz faszinierende Weise zeigst du uns die Schönheit im Vergänglichen.
Danke, November!


Sanfte „Novembersonnen“

Allerheiligen.
Feiertag. Was feiern wir? Die Toten? Schon als Kind habe ich das nie begriffen. Wir wohnten in der Nähe des Friedhofs, der zu Allerheiligen fast einem Rummelplatz glich. Nie sind wir an diesem Tag zum Friedhof gegangen. Mein Vater sagte immer, wenn man dazu einen festgelegten Feiertag braucht, so ist da etwas gar nicht in Ordnung. Später erst habe ich begriffen, was er meinte, und ich trage meine Toten jeden Tag im Jahr mit mir. Manchmal sind sie ganz nah, manchmal weiter weg, aber immer irgendwie da, und das ist gut so.
Allerheiligen.
Heute waren sie auf einmal ganz fest bei mir, gerade, als ich unter einer prächtig herbstbunt geschmückten Buche im Wald kurz innehielt. Es war windstill, ich sah liebe, lang vermisste Gesichter vor mir – und sanft löste sich ein gelbes Blatt vom Ast des Baumes und segelte vor mir zu Boden. Und noch eines und noch eines und … und in jedem Blatt sah ich ein anderes Gesicht, eine andere schöne Erinnerung. Wie kleine Sternchen fielen sie zu Boden, die Blätter, – und ich lächelte ihnen zu. Allerheiligen mit Blättersternchen. Kann man diesen Tag noch zauberhafter erleben?
Ich lächele noch immer …

3. November

Nein, sie muss nicht immer scheinen, die Sonne.
Aber sie darf lachen und kitzeln und streicheln und kuscheln und kleine Seelenhüpfer zur Erde senden, und das kann sie auch gut von ihrem Versteck hinter den Wolken aus erledigen. Und sie tut es auch. Jeden Tag schickt sie uns viele klitzekleine Novembersonne(n). Die „schluppern“ heimlich, still, leise über unsere Nasen, liebkosen unsere Wangen, kribbeln über die Augenlider und schummeln sich in unsere Seelen hinein. Zu jedem kommen sie, vielfach und jeden Tag aufs Neue und manchmal, wenn der Mensch sie erkennt, schleicht sich ein leises Lächeln ins seine Mundwinkel. Ein kleines, feines Novembersonnenlächeln.

Mich haben sie heute auch schon besucht, die kleinen Novembersonne(n), obwohl der Tag mit vielen Wirrnissen und Ärgernissen so gar kein schöner ist. Und ich habe mich gefreut und mein Herz hat einen kleinen Hüpfer gemacht. Und dann habe ich gelächelt … und ich lächle noch jetzt.

5. November

Ein prächtig helles Seelenfeuer bescherst du uns, lieber November.
Danke!
Sie tun gut, deine Farben.
So gut.

Weißt du eigentlich, wie sehr ich dich liebe in diesem Jahr, Herbst?

7. November

Mildsilbern mit gelb-rostbraunen Tupfern, das ist der Blick aus dem Fenster heute. Der Herbstsommer – oder Sommerherbst? – macht eine Pause. Der Hochnebel mit seinem feine, zarten Grau bildet einen fast magisch anmutenden Hintergrund für die letzten bunten Farbpünktchen, die die Blätter in unzähligen Geld-, Rot- und Brauntönen in unsere Herbstwelt zaubern. Sie kämpfen ums Überleben. Nun sieht man es viel deutlicher. Und immer wieder lässt eines – resignierend fast – los und trudelt langsam zu Boden. Ein weiteres folgt und noch eines und noch eines. Ein grau-gelb-rostbrauner Trudeltag.
Und er passt, dieser Tag.

Ich trudle – oder heißt es trudele? Egal! – auch und werde mich auch weiter durch den Tag trudeln. So einiges an „Trudel“-Arbeit liegt vor mir. Lauter Kleinkrams, der in der Menge betrachtet aber doch auch etwas Großes bedeutet. Groß zumindest, was den Zeitaufwand betrifft.

© Elke Bräunling

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