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Herr Maier und Herr Müller
Gespräche auf der Parkbank

„Ich weiß nicht mehr weiter!“ Herr Maier saß im Park auf einer Bank und verbarg das Gesicht in den Händen. Er wirkte sehr verzweifelt.
„Glauben Sie, Sie sind alleine mit Ihren Sorgen?“, brummte Herr Müller, der neben ihm Platz genommen hatte. Er stützte die Arme auf seinem Gehstock auf und starrte ohne viel wahrzunehmen über den Fluss.
„Oh!“ Herr Maier sah auf. „Geht es ihnen schlecht?“
„Das kann man so sagen.“ Herr Müller machte eine kurze Pause, dann fuhr er fort. „Nichts ist mehr so, wie es einmal war.“
Herr Maier nickte. „Das Leben ist Veränderung. Ein Kreislauf. Das Rad dreht sich und …“
„Genau!“, unterbrach ihn Herr Müller. „Immer im Kreise dreht es sich. Ein Tag wie der andere. Und unsereiner sitzt da und sieht dem hilflos zu.“
„Ja, brauchen Sie denn Hilfe?“
„Ah. Ich weiß nicht so recht.“ Herr Müller schüttelte, ratlos fast, den Kopf. „Ich glaube“, sagte er dann, und seine Stimme klang freundlicher, „für mich gibt es keine Hilfe … mehr.“
„Oh!“ Betroffen sah Herr Maier seinen Banknachbarn an. „D-Das tut mir leid.“
„Mir auch. Trotzdem danke, dass Sie gefragt haben.“
„Eine Selbstverständlichkeit.“
Die beiden Männer schwiegen, hingen ihren Gedanken nach.
„Gegenfrage“, unterbrach Herr Müller die etwas unangenehme Stille nach einer Weile. „Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“
„Haben Sie Zeit?“
„Ja, ich habe Zeit“ Herr Müller nickte und fügte zögernd hinzu. „Viel zu viel.“
„Genau das ist mein Problem“, gestand Herr Maier, und es klang, als schämte er sich. „Ich komme mit der meinen nicht zurecht. Sie fehlt mit in jeder Minute des Tages.“
„Ihre Frau? Ist sie …?“
„Ich bin geschieden. Das ist es nicht“, antwortete Herr Maier schnell. „Die Zeit. Sie ist es, die mir fehlt …“
„Oh! Nun, äh…“ Nun war es Herr Müller, der verlegen nach Worten rang. „Wie … Ich meine, wie viel Zeit bleibt Ihnen denn noch?“
„Viel zu wenig.“ Herr Meier fuhr sich in einer verzweifelten Geste durchs Haar. „So viele Ideen und Pläne schwirren mir durch den Kopf! Es sind zu viele. Ich verliere mich in ihnen. Sie zu realisieren, ja, dazu fehlt mir einfach die Zeit.“
„Und mir fehlen die Ideen und Pläne. Zeit hingegen habe ich im Überfluss. Fast bis zum Überdruss.“
Verdutzt sahen sich die beiden Männer an.
„Maier“, sagte Herr Maier schließlich. „Peter Maier.“ Er reichte seinem neuen Bekannten die Hand.
„Müller“, erwiderte Herr Müller und erwiderte den Händedruck. „Paul Müller.“
Sie mussten grinsen. Dann schwiegen sie wieder, und eine leise Hoffnung schwieg mit.

© Elke Bräunling

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