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Bruno und Brunhilde und das Bärenfell

In einem Wald, recht weit von hier,
da lebte einst ein Bär.
Er war ein großes, schweres Tier
und manches fiel ihm schwer.

Sein Fell, das braun und struppig war,
war ihm oft viel zu heiß.
Drum klagte er und fluchte gar:
„Was ist das für ein … Mist!“

Ein Wunsch, der wuchs, ward riesengroß,
ging ihm nicht aus dem Sinn.
„Wie werd´ ich dieses Fell nur los,
damit ich glücklich bin?“

Er zog und zerrte fest daran,
die Haut tat ihm schon weh
und eines Tages kam sie dann,
die rettende Idee.

Er ging in eine große Stadt
Und suchte einen Schneider
Und als er ihn gefunden hatt´,
da sagte dieser: „Leider…

…kann ich nicht helfen, lieber Bär.
Da bin ich nicht der Rechte,
ich bin ein Mensch und Sie ein Bär,
wie ich bemerken möchte!“

Der Bär war traurig und verließ
des Schneiders Atelier,
kam zum Friseur mit Namen „Spieß“,
sein Herz tat ihm schon weh.

Er trug dort seine Bitte vor,
Herr Spieß, ein netter Mann,
der lieh geduldig ihm sein Ohr
und sprach zu ihm sodann:

„Man kann das Fell wohl abrasieren,
doch gäb´es ein Problem,
im Winter würden Sie dann frieren,
das ist nicht angenehm.“

„Mir ist´s egal, es stört mich wenig,
Ich friere niemals, ehrlich!“
„Der Kunde ist mir immer König,
der neue Schnitt wird herrlich.“

Gesagt, getan – das Fell war runter,
der Bär jetzt nackt und froh.
„Wie schön ich bin!“ brummte er munter.
„Sah mich noch niemals so!“

Zu Hause wartete schon lang
Die Brunhild, seine liebe Frau.
Als sie ihn sah, wurde sie bang,
erkannte ihn nicht mehr genau.

Doch als er brummte: „Hallo Frau!“
Da wusste sie Bescheid,
es war ihr Bruno, ja genau –
ganz nackt und ohne Kleid.

„Wo ist dein Fell, mein lieber Mann.
Wo hast du es gelassen?
Dein Kuschelfell, dein Schmusehaar,
oh Mann, ich kann´s nicht fassen.“

Bruno lachte und dann küsste
er sie mitten auf den Mund.
„Ja, mein Schatz, wenn ich das wüsste,
Hauptsache wir sind gesund!“

Sie schimpfte nicht und lachte auch,
und während sie ihn drückte,
nahm sie schon Maß an seinem Bauch
und strickte dann und strickte…

ein Bärenfell aus weicher Wolle,
das ihn vor Kälte schützte
und das konnt er, das war das Tolle
ablegen, wenn er schwitzte.

Und heute trägt sie selbst ein Kleid,
weil es ihr so gefällt
und sie bestrickt die ganze Zeit
die weite Bärenwelt.

(c) Regina Meier zu Verl

Dieses Gedicht ist entstanden, als ich wieder einmal einen Pullover für den Teddybär meiner Tochter strickte. Mir fällt oft etwas ein, wenn ich handarbeite und das Stricken ist meine liebste Beschäftigung, wenn ich nicht gerade musiziere oder schreibe – ich kann einfach die Hände nicht still halten. 🙂

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