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Der goldene Morgen

„Heute ist ein Schlechtwettertag“, sagte die dicke Wolke am Himmel. „Dicht und dichter werde ich den Himmel zuziehen und ihn mit meinen grauen Wolkenumhang einhüllen. Auch auf das Land dort unten werde ich mich legen.“
„Mitnichten“, widersprach die Sonne. „Der heutige Tag ist der meine. Die Menschen nennen ihn Sonntag.“
„Oh! Du …“ Die Wolke rang nach Worten. „Du glaubst, man hat einen ganzen Tag nur nach dir benannt? Dass ich nicht lache!“
Die Wolke schüttelte sich vor Lachen und ein paar Lachtränen tropften zur Erde hinab.
„Halt! Halt!“, lenkte die Sonne ein. „Unbedingt muss ich heute mit meinen Strahlen den frühen Morgen im Land begrüßen. Siehst du den Wald dort? Ihm möchte ich eine kleine Morgenfreude bereiten. Er hat sie sich verdient. Daher bitte ich dich: Zieh dich noch für ein paar Stündchen zurück!“
„Warum sollte ich das tun? So viele Tage hast du den Himmel beherrscht! Nun sind wir Wolken wieder an der Reihe. So ist es üblich. So ist es Himmelsgesetz.“
„Jaaa, ich weiß.“ Kleinlaut war die Sonne nun. „Das Land braucht Sonne und Regen.“
„Genau so ist es!“ Die Wolke nickte. „Und deshalb werde ich nun … Hey, halt! Was machst du? Lass ab! Lass deine Strahlen von mir. Nein. Aua! Autsch. Du kannst dich doch nicht mit deinen heißen Sonnenstrahlen durch meinen Regenmantel bohren! Das tut weh, hörst du?“
Zu spät!
Schon hatte die Sonne das graue Wolkenkleid mit goldenen Farben bemalt und sich ihren Weg durch die Wolkenschwaden hinunter zum Land gebahnt.
Und so kam es, dass ein tiefgoldenes Schleiertuch an jenem Sonntagmorgen den Wald einhüllte.
„Wie schön das ist!“, staunten die Menschen, die Waldtiere, die Bäume, die Pflanzen und sie reckten sich erfreut dem strahlenden Gold entgegen.
„Danke, Sonne“, riefen sie und blickten zum Himmel hinauf.
„Bitte! Gerne geschehen“, murmelte die Sonne.
Sie murmelte es nur leise und auch ein wenig kleinlaut, während sie sich in ihrem Sonnengold sonnte.
Und leise und kleinlaut zog sie sich auch wenig später zurück und gab der Wolke und ihren Gefährten den Platz im Land, der ihnen an diesem Schlechtwettertag zustand.

© Elke Bräunling

1septembermorgen 5

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