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Sommerwiesenfreuden

Frauke schickt eine SMS an ihre beiden besten Freundinnen. Eine SMS mit einem Sommerfoto. Eine Picknickidylle auf einer Waldwiese inmitten von Kleeblüten, Butterblumen und Margeriten. Die Sonne scheint, kleine weiße Wölkchen betupfen den tiefblauen Himmel mit lustigen Wolkenbildern und in der Ferne schimmert das silberne Band des Flusses, der sich durch das Tal windet.

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„Lasst Euch lieb grüßen mit einer kleinen Sommerwiesenimpression. Ich sitze hier und freue mich an diesem zauberhaften Sommertag. Wie schön wäre es, wenn wir gemeinsam hier den Sommer genießen könnten. Ihr seid mir so nah und immer wieder glaube ich, in den Wolken eure lächelnden Gesichter zu sehen. Ich denke an Euch und bringe euch einen Wiesenblumenstrauß mit. Bussi und Umarmung, Eure Frauke.“

So steht es in der SMS geschrieben. Heitere Worte des Glücks und der Freude.
Glück und Freude?
Fraukes Freundinnen, Thea und Stephanie, zeigen sich wenig erfreut über diesen Gruß, der sie zur Mittagspause in ihrer Firma erreicht.
„Gemeinheit!“, poltert Thea. „Diese untreue Seele muss nicht arbeiten und hat keine Geldsorgen. Seit sie diesen alten Kerl, diesen Geldsack, geheiratet hat, macht sie sich einen schlauen Lenz. Ich hingegen muss pausenlos schuften. Wie unverschämt von ihr, mir mit dieser Nachricht den Tag endgültig zu verderben. Sie weiß doch, wie miserabel es mir geht.“
Stephanie nickt heftig. „Das macht sie absichtlich, diese Angeberin. Ihr Glück genügt ihr nicht. Nein, sie muss es uns auch noch unter die Nase reiben. Wie gemein von ihr.“ Sie greift zum Handy. „Warte! Ich werde ihr meine Meinung geigen, aber so deutlich, dass ihr das Lachen vergeht.“
„Halt!“ Thea schüttelt den Kopf. „Du willst ihr unseren Ärger zeigen? Oh nein. Wir schlagen sie mit ihren eigenen Waffen. Eine falsche Freundin verdient Aufrichtigkeit nicht.“ Sie tippt ein paar Worte in ihr Phone, drückt auf senden, grinst und sagt zufrieden: „Viel Spaß damit, meine Liebe!“
Spaß? Den hat Frauke nun. Sie hat sich lausig auf dieser blöden Wiese gelangweilt und ihre Sehnsucht nach den Freundinnen und ihrem früheren Arbeitsleben ist so groß, dass es fast weh tut. Lächelnd legt sie sich ins Gras zurück zurück, blinzelt in die Schönwetterwolken hinauf und liest die Nachricht der Freundinnen ein zweites Mal:
„Oh, Frauke, Süße! Gerade haben wir von dir gesprochen und festgestellt, dass wir dich sehr vermissen. Umso mehr freuen wir uns, dass du so einen wundervollen Tag verlebst und wir danken dir, dass du uns an deinem neuen Leben teilhaben lässt. Hab’s noch schön auf deiner traumhaften Sommerwiese! In Gedanken sind wir bei dir. Bussi und ganz dicke Umarmung, Deine Thea und Stephanie.“
„Wie reich ich bin!“, flüstert Frauke den Wolken zu. „Meine Freundinnen sind wunderbare Menschen und mit keinem Geld der Welt zu ersetzen. Was für ein schöner Sommer dies doch ist!“

© Elke Bräunling

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