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Man kann ja nicht alles wissen

Laura und Simone unterhalten sich über ihre Mütter. Die Freundinnen haben es sich im Kinderzimmer gemütlich gemacht, während die Mütter im Wohnzimmer bei Kaffee und Kuchen ein Plauderstündchen halten.
„Meine Mama hat zu jedem Paar Schuhe eine passende Handtasche“, verrät Laura ihrer Freundin. Simone kichert und nimmt ein Schlückchen Tee aus der winzigen Tasse des Puppengeschirrs. Sie überlegt einen Moment und kommt zu dem Schluss, dass ihre Mutter wohl nur zwei Handtaschen besitzt. Damit kann sie also nicht punkten.
„Meine Mama backt die besten Pfannkuchen der Welt!“, behauptet sie und schlägt zufrieden die Beine übereinander, so wie sie es von Mama gesehen hat. Sie findet das sehr chic.
„Das stimmt!“, gibt Laura zu. „Bei euch schmecken die Pfannkuchen besonders gut.“
Laura schenkt Simone noch etwas Tee ein und bietet ihr ein Plätzchen an. Dann lehnt sie sich wieder zurück und  erzählt:
„Ohne Kajak geht meine Mama niemals auf die Straße!“
In Simones Augen leuchten deutlich Fragezeichen auf, sie gibt sich aber nicht die Blöße zuzugeben, dass sie nicht weiß, was Kajaks sind.
„So, so!“, sagt sie also und knirscht innerlich mit den Zähnen. „Ich verstehe!“
„Ja, Mama sagt immer, dass so ein Kajak einen glasklaren Blick macht. Sie hat gleich mehrere, in verschiedenen Farben.“  Laura merkt, dass Simone keine Ahnung hat, worum es geht, denn die fragt nun:
„Passend zu jeder Handtasche?“
„Nein, komm mit ins Bad, ich zeige sie dir!“
Die beiden Mädchen bewegen sich fast lautlos und schleichen leise am Wohnzimmer vorbei, um die Mütter nicht auf sich aufmerksam zu machen. Sie sind in geheimer Kajakmission unterwegs.
Im Badezimmer angekommen steigt Laura auf den Hocker und öffnet den Spiegelschrank. Sie nimmt einige Stifte aus einem Schälchen und klettert wieder hinunter.
„Schau, hier sind sie. Schon die alten Ägypterinnen haben diese Kajaks benutzt. Sollen wir das auch mal ausprobieren?“
„Was macht man denn damit, es sind doch ganz normale Farbstifte, oder?“, will Simone wissen.
„Man malt rundum das Auge eine Linie, dann sehen die Augen schön aus und strahlen. Früher sagte man, dass diese Bemalung die Fliegen abschreckt und sogar Krankheiten am Auge heilen kann.“
Simone ist beeindruckt von Lauras Wissen.
Laura holt den Schminkspiegel von der Fensterbank. Dann setzt sie sich auf den Fußboden und fängt an, tiefschwarze Farbe auf Ober- und Unterlid zu verteilen. Das sieht lustig aus und Simone möchte es auch versuchen. Sie wählt ein dunkles Blau und weil das so toll aussieht, kommen nun auch noch die Lippenstifte von Lauras Mutter zum Einsatz.
„Deine Mutter hat tolle Sachen, besonders die Kajaks gefallen mir!“, schwärmt Simone und dann beschlie0en die beiden, ihren Müttern zu zeigen, was sie für schöne Töchter haben.
Die beiden Mütter sind nicht so richtig begeistert und Lauras Mutter ruft laut:
„Ach, meine schönen Kajalstifte, hoffentlich habt ihr sie nicht abgebrochen, die waren nämlich sehr teuer!“
Nachdem sie festgestellt hat, dass den Stiften nichts passiert ist, müssen dann aber doch alle vier herzlich lachen und die Mädchen erfahren den Unterschied zwischen Kajak und Kajal. Letztendlich finden sie dann erstgenanntes als noch ein wenig spannender, denn mit einem Kajak im Wildwasser zu paddeln, das stellen sie sich supertoll vor. Sinnvoll wäre es, in so einem Fall beides einzusetzen, Kajak und Kajal, ihr wisst schon: Wegen der Fliegen!

 

© Regina Meier zu Verl 2016

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