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Von Spitznamen und Fußballfans

Der Tatsache, dass mein Vater ein fanatischer Fussballfan ist, habe ich es zu verdanken, dass ich meinen Spitznamen bekam. Hummel! Für mich ist das in Ordnung, denn ich liebe meinen Vater und alles was mit ihm zu tun hat. Es gibt Fotos von mir, die mich in den ersten Tagen nach meiner Geburt zeigen. Ich trage eine schwarz-gelb geringelte Strampelhose, während andere Mädchen in rosa gepackt wurden.
Schon früh wurde ich an das Ballspiel herangeführt. In meinem Kinderzimmer gab es sogar ein Tor zum Üben.
Eigentlich kann ich froh sein, dass ich nicht Jens heiße, nach Papas Torhüterliebling. Soweit sind meine Eltern dann doch nicht gegangen. Aber so weit hergeholt ist dieser Vergleich nicht, denn mein Name, also der, der in meiner Geburtsurkunde steht, lautet Jenny. Niemand ruft mich so, mit Ausnahme meiner Lehrer.
Die Eigenschaften der Hummel habe ich übernommen. Ich bin zwar fleißig, aber doch oft ein wenig träge. Als Fußballer würde ich wohl niemals Karriere machen, dazu bin ich einfach zu unsportlich. Ich taumle so durchs Leben, träume gern und manchmal hebe ich sogar ab und fliege, obwohl ich das eigentlich nicht kann. Ich war schon als Baby ein wenig moppelig und das ist auch so geblieben.
Papa hat es irgendwann aufgegeben, mich zu überreden in der Fußballmannschaft unseres Dorfes mitzuspielen. Sicher hatte er Angst, dass ich ihn blamiere. Ich selbst war darüber ganz froh.
Auch in der Schule nannten mich alle Hummel. Mir machte das nichts, ich war ja daran gewöhnt.
Zum Schulabschluss kaufte ich mit ein traumhaft schönes lila Kleid, ich wollte endlich einmal auf schwarz-gelb verzichten. Ich war glücklich und drehte mich vor dem Spiegel hin und her und hätte singen können vor Glück, wenn nicht mein Bruder gesagt hätte:
„Guck mal, eine dicke lila Hummel!“
Das hat mich verletzt. Mein Selbstvertrauen war dahin und beim Abschlussfest fühlte ich mich trotz des tollen Kleides nicht wohl. Ich habe kein einziges Mal getanzt und gegessen habe ich wie ein Spätzchen, damit nur ja niemand denkt, dass ich dick bin, weil ich so viel esse.
Mein Studium begann und ich erinnere mich besonders gut an eine Vorlesung, in der war alle neu waren. Der Professor hatte eine Liste mit Namen, die er aufrief, um festzustellen, welcher der Studenten anwesend war. Dazu sollte jeder kurz aufstehen und „Hier“ rufen.
Das klappte gut bis zu dem Moment, als der Professor den Namen „Hummel“ aufrief. Mein Nachbar und ich sprangen im gleichen Moment auf und riefen „Hier“. Dann schauten wir uns an und ich errötete bis in die Haarspitzen.
„Entschuldigung!“, flüsterte ich und setzte mich wieder.
„Heißen Sie nun Hummel, oder nicht?“, fragte der Professor und mein Nachbar schaute mich interessiert an, schließlich kannten wir uns nicht.
„Nein, eigentlich nicht“, flüsterte ich. Das löste einen Lachanfall bei den übrigen Studenten aus. War das peinlich! Aber erklären wollte ich es auch nicht und schwieg fortan. Als mein Nachname dann fiel, errötete ich aufs Neue, stand aber tapfer auf und meldete mich.
„Sind Sie sicher?“, fragte der Professor.
„Ja, ganz sicher!“
Mein Nachbar, der tatsächlich mit Nachnamen Hummel hieß, entspannte die Situation, als er mich bat, mit ihm einen Kaffee trinken zu gehen. Ich nahm das dankbar an und wir hatten eine tolle Stunde, in der ich ihm erklärte, was es mit meinem Spitznamen auf sich hatte.

Heute, vier Jahre später, sind wir verheiratet. Ich heiße nun also Hummel Hummel, äh Jenny Hummel natürlich und die Liebe hat aus meiner Hummeltaille eine Wespentaille gemacht, ist doch toll, oder?

© Regina Meier zu Verl

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