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Lisa und die Kochkiste

Das Bauernhofmuseum finde ich supertoll. Wir fahren oft hin, meine Eltern, Oma und ich. Immer wieder gibt es etwas zu entdecken, das wir beim letzten Besuch noch nicht gesehen haben.„Dort gibt es keinen neumodischen Kram“, sagt Oma immer und dann muss ich lachen, denn meine Oma ist eine supermoderne Frau, die ein Handy hat und ständig ihr Notebook mit sich herumträgt. Was sie unterwegs damit anfangen will, weiß ich auch nicht. Aber wenn sie nicht beides bei sich hat, dann wird sie nervös.Papa meint, dass das am Elektrosmog liegen muss, dass sie so nervös ist. Ich vermute aber eher, dass sie Angst hat, eine Nachricht von ihren Freunden zu verpassen und das kann ich gut verstehen. Freunde sind wichtig, ohne Freunde ist das Leben langweilig. Ich habe viele Freunde, doch davon will ich eigentlich gar nicht erzählen.

Heute möchte ich vom Museum erzählen, denn da waren wir am letzten Sonntag und das war spannend. Wir haben uns die Bauernhäuser angeschaut, die noch genauso eingerichtet sind wie vor hundert Jahren. Ich könnte mir sogar vorstellen, in einem dieser Häuser zu leben. Wenigstens für eine Weile, vielleicht in den Sommerferien. Da könnte ich dann bei der Ernte helfen, mit Pferd und Wagen. Das stelle ich mir toll vor. Ein paar Katzen sollten auch da sein, zum Kuscheln, die waren so wunderbar anschmiegsam. Aber das war nur ein Traum.

„Die Menschen damals haben schwer arbeiten müssen“, hat mir Papa erklärt. Das glaube ich ihm, sie hatten ja auch keinen Trecker, keinen Rasenmäher und auch keinen Elektroherd. Ein Feuer zu machen, das war mühsam. Jeden Morgen mussten sie den Küchenherd anheizen und das Holz dafür mussten sie auch selbst vorbereiten. Oma hat das nicht mehr erlebt, dafür ist sie zu jung. Aber ihre Eltern und Großeltern, die kannten das noch und sie haben viel darüber erzählt.

Am letzten Sonntag habe ich dann etwas entdeckt, das mich völlig begeistert hat. Eine Kochkiste. Sie stand in einer der Küchen und ich wusste natürlich zuerst nicht, was das war. Oma kannte sich aus. Sie erklärte mir, wofür man diese Holzkiste benutzte.

„Schau, die Kiste ist groß genug, dass ein großer Topf hineinpasst. Sie ist ausgekleidet mit Holzwolle und Heu. Wenn man einen Topf hineinpackt und den Deckel der Kiste verschließt, dann bleibt das Essen im Topf warm und kann sogar fortkochen!“

„Wie jetzt? Fortkochen? Ist es dann weg?“, habe ich gefragt.

„Oma hat laut gelacht.“
„Nein, es kocht weiter. Du kennst das doch.“

„Nein, das kenne ich nicht!“, behauptete ich und dann dämmerte es mir. Sollte Oma vielleicht den Milchreis meinen, den Mama nach dem Aufkochen immer im Bett weiterkochte?

Da hatte ich den Nagel auf den Kopf getroffen.

„Früher haben die Menschen auch schon versucht zu sparen. Wenn sie einen Eintopf kochten und der stundenlang auf dem Feuer gestanden hätte, dann wäre dabei viel zu viel Feuerholz verbraucht worden. Also ließen sie sich etwas einfallen und erfanden die Kochkiste.“ Oma holte ihr Handy aus der Handtasche und wollte nachsehen, wann genau man diese Kiste erfunden hatte, aber Papa schimpfte.

„Mutter, nun lass doch mal das blöde Handy. Das ist doch jetzt nicht wichtig!“

Oma war beleidigt und sprach nicht mehr mit Papa.
„Komm, Lisa, wir machen uns selbständig. Vielleicht bekommen wir irgendwo ein Stückchen Kuchen!“, schlug sie vor.

„Dein Papa war früher ein richtiger Wildfang und er hatte nur Blödsinn im Kopf“, verriet mir Oma. „Heute ist er mir ein bisschen zu vernünftig, ewig diese Meckerei!“, schimpfte sie.

„Ich drückte ihr einen dicken Schmatzer auf die Wange, um sie zu besänftigen.
„Was sich liebt, das neckt sich, stimmt’s, Oma?“, fragte ich sie und schon lachte sie wieder.

„Meine Oma ist super, Papa aber auch – und Mama sowieso!

 

© Regina Meier zu Verl

 

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