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Omas geheimes Geheimnis

Pia und Pit waren mit Oma auf der Heimfahrt und immer wieder standen sie auf der Autobahn im Stau.
„Ich würde doch gerne wissen, ob man es noch sehen kann“, sagte Oma, die keine Geduld mit Autostaus hatte, auf einmal. „Wir müssen nur ein paar Dörfer über Land fahren und bei der Dorfkirche von W. auf Spurensuche gehen. Habt ihr Lust?“
„Was ist ‚es‘?“, fragte Pit. „Was kann man da sehen?“
„Ein geheimes Geheimnis.“ Oma grinste. „Ihr werdet staunen. Und vielleicht auch lachen. Wenn wir es noch finden.“
Das klang spannend und die Geschwister jubelten ein lautes „Ja!“. Mit geheimen Geheimnissen machten sogar langweilige Autostaus Spaß.
Oma grinste wieder und wenig später fuhren sie auf engen Straßen durch kleine verlassen wirkende Dörfer an satten gelben Getreidefeldern vorbei nach W..
Auch W. war ein kleines, verlassen wirkendes Dorf und sie fanden in der Nähe der Dorfkirche gleich einen Parkplatz. Das fanden die Geschwister toll. Parkplatz suchen war nämlich genau so doof wie im Stau auf der Autobahn stehen. Überhaupt war wenig los hier. Es waren nur ein paar Einwohner zu Fuß oder mit dem Rad oder auf dem Trecker unterwegs. Eine friedliche, fast langweilig schöne Stille.
Die Stadtkinder Pia und Pit staunten.
„Wie ruhig es hier ist!“, sagte Pia und Pit fragte: „Hast du hier einmal gewohnt?“
„Beinahe“, antwortete Oma. „Doch das ist eine lange Geschichte.“
„Ist sie dein geheimes Geheimnis?“, fragte Pia.
„Beinahe“, sagte Oma wieder. „Nur beinahe. Zum Glück. Psst!“
Oma sprach in Rätseln. Pia und Pit wunderten sich, während sie Oma auf ihrem Weg um die Dorfkirche herum folgten.
Sie kamen zu einem Bildstock, der auf der Wiese hinter der Kirche unter einer Weide stand. Ein Bildstock, der das Bildnis einer heiligen Frau beherbergte.
„Ist das die Maria?“, fragte Pia.
„Nein, das ist die heilige Ursula.“
Ursula? Und Omas Name war Uschi? Ob diese heilige Ursula Omas Geheimnis war?
„Sie heißt wie du, diese Ursula“, stellte Pit fest und Pia las mühsam den Vers, der in vergilbten Zeichen in den Bildstock eingeritzt war:
Kein Musik ist ja nicht auf Erden, die unsrer verglichen kann werden. Eilftausend Jungfrauen zu tanzen sich trauen. Sankt Ursula selbst dazu lacht. – Hm, was heißt das, Oma?“
„Es ist ein Liedvers aus der Ursulalegende“, begann Oma zu erzählen. „Der erzählt davon, dass …“
„Da steht noch etwas“, rief Pia da aufgeregt. „Ganz da unten in den Stein geritzt. Ein geheime Geheimschrift vielleicht?“
„Lies doch mal vor! Vielleicht ist es ein Schatzplan!“
Aufgeregt beugten sich die Geschwister um Sockel des Bildstocks und versuchten, die schief eingeritzten Buchstaben zu entziffern.
Wenn ich groß bin„, las Pia, „werde ich Ärztin und dann heirate ich den Peter Schmitt.
„Ein Liebesschwur.“ Pit musste lachen.
„Und ein Geheimnis“, befand Pia und starrte auf die Buchstaben. „Ganz schön spannend ist das.“
„Ob sie diesen Peter Schmitt wirklich geheiratet hat, diese Ärztin?“, überlegte Pit. „Vielleicht hat ihr die heilige Ursula geholfen?“
„Hat sie“, sagte Oma da leise. „Das Mädchen ist wirklich Ärztin geworden. Tierärztin. Aber den Peter Schmitt, den hat sie nicht geheiratet. Und ich sage euch, das ist ein Glück.“ Oma machte eine kleine Pause, schluckte. „Sonst nämlich hätte sie nie euren Opa kennen gelernt und euch würde es nicht geben.“
Ohhh! Mit großen Augen starrten die Geschwister Oma an. Das war also Omas geheimes Geheimnis? Ob Opa davon wusste?
„Danke, heilige Ursula“, flüsterte Pia. „Danke, dass du den Opa zu Oma geschickt hast und nicht diesen Peter Schmitt, wer immer das auch ist.“

© Elke Bräunling

scriese - mühle

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