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Adventsfreude oder ‚Das Leben ist schön‘

Früher hatte Heinz Puppenstuben, Kaufläden und Adventskalender für seine Kinder gebastelt. Diese Bastelarbeiten fehlten ihm schon lange sehr. Wie schön wäre es doch, ein Enkelkind zu haben. Doch darauf hatte er keinen Einfluss und fragen wollte er auch nicht mehr. Seine beiden Töchter reagierten auf derartige Anfragen immer sehr gereizt.
Nun war es wieder Herbst geworden und den Garten hatte er bereits winterfest gemacht. Nur wenig war nun für ihn noch zu tun. In seinen Fingern aber kribbelte die Lust, auch an den trüben Tagen etwas mit den Händen zu erschaffen. Ob er es wieder mit dem Bastel probieren sollte, auch ohne Enkelkinder? Warum eigentlich nicht?
Noch am gleichen Morgen machte er sich auf den Weg zur Holzhandlung im Ort. Alleine, wie immer seit Ilses Tod. Früher hätte sie ihn begleitet. Im alten Landgasthof ‚zur Krone‘ hätten sie anschließend zu Mittag gegessen. Ach, schön hatten sie es gehabt. Ach, Ilse!
„Ich freue mich, dass du Kindern wieder eine Freude machen möchtest. Es gibt viele Kinder, die sich einen Weihnachtsgroßvater wünschen. Trau dich! Mache es genau so, wie du es von früher gewöhnt bist! Suche dir das Holz aus, das du brauchst, und danach lässt du dich in der ‚Krone‘ verwöhnen! Hirschgulasch. Das isst du doch so gerne. Wann hast du es dir zum letzten Mal gegönnt?“
Fast war es, als stünde Ilse neben ihm und flüsterte ihm diese Worte zu. Wie mechanisch nickte Heinz. Ja, genau so würde er es machen.
In der Holzhandlung wurde er schnell fündig. Schönes weiches Holz zum Schnitzen wählte er aus und ließ es in handliche Stücke sägen. Zu Hause würde er gleich mit dem Schnitzen anfangen.
„Ich möchte zuerst noch in der ‚Krone‘ zu Mittag essen. Magst du nicht mitkommen?“, fragte er seinen alten Freund Fritz, dem die Holzhandlung gehörte. Der stimmte freudig zu.
In der ‚Krone‘ wurden sie mit einem freudigen ‚Hallo‘ begrüßt. Heinz staunte. Viele alte Bekannte saßen da vor einem Tee, einem Bier oder einem Viertel Wein. Sie schienen sich zu freuen, ihn zu sehen. Und ehe er sich versah, saß er mit ihnen am Stammtisch.
„Wie schön, dass du dich auch einmal hier blicken lässt“, sagte Anton Merkelmeier vom Oberdorf, der auch seit einem Jahr verwitwet war. „Ich bin fast jeden Tag zum Mittagstisch hier. Es tut mir gut. Man kann schließlich nicht den ganzen Tag mit sich alleine sein.“
Wie wahr! So gut hatte es Heinz getan, mal wieder in einer Gemeinschaft zu essen. Er nahm sich vor, dies von nun an öfter zu machen. Aber zuerst einmal hatte er zu tun. Er musste einen Adventskalender basteln. Der Anton hatte ihn doch gleich darum gebeten, weil er selbst kein Talent zum Werkeln hatte und seine Enkelin Nina würde sich sehr über Figürchen freuen, die ihr die Wartezeit bis zu Weihnachten verkürzen sollten.
Dieser Auftrag war so ganz nach seinem Geschmack. Heinz nickte. Ja, der kleinen Nina würde er eine feine Adventsfreude bereiten. Die größte Freude aber war die seine. Das Leben war schön.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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