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Frau Schmittke und der unsichtbare Besucher

„Es ist kalt geworden. Man kann sich nach diesen herrlich warmen Herbsttagen gar nicht recht daran gewöhnen.“
Frau Schmittke stand am Gartenzaun und zupfte die letzten Blümchen, Hornveilchen, Erika und Rosmarinzweige, in den beiden Blumenkästen zurecht.
„Ich glaube, ich werde mir eine Tasse heiße Schokolade gönnen. Sie wärmt. Und sie tröstet.“
„Bist du denn traurig? Musst du getröstet werden?“, flüsterte ein Stimmchen.
Frau Schmittke schaute sich um. Wer sprach da mit ihr? Sie konnte niemanden entdecken. Komisch!
„Ja, das muss ich. Ich finde es sehr schade, dass ich nun nicht mehr in meinem geliebten Garten arbeiten kann!“, antwortete sie und wartete auf eine Antwort.
„Arbeit findet ihr Menschen aber auch immer! Oder habe ich euch da falsch verstanden?“ Das Stimmchen kicherte.
Frau Schmittke wollte aufbrausen, doch steckte nicht ein Körnchen Wahrheit in dem, was der unsichtbare Besucher sagte?
„Stimmt wohl. Und so manche Arbeit macht sogar Spaß“, antwortete sie. „Die Gartenarbeit macht mir zum Beispiel sehr viel Freude. Fenster putzen aber weniger, verstehst du, was ich meine?“
„Hihi!“, kicherte die Stimme. „Ich habe keine Fenster, die ich putzen müsste. Ich kann das also nicht verstehen, aber wenn du es sagst, dann wird es wohl so sein.“
„Es ist, wie es ist, und zwar mit allem, was ich sage“, sagte Frau Schmittke. Sie genoss das kleine Gespräch sehr, dennoch spürte sie, wie die Kälte mehr und mehr in ihr hochkroch. „Aber sag, lieber unsichtbarer Gast, hast du Lust, mit mir eine heiße Schokolade zu trinken.  Es ist noch kälter geworden und es tut uns sicher gut, wenn wir uns in meiner Küche aufwärmten.“
„Aufwärmen? Zu Hilfe! Das wäre mein Tod. Außerdem muss ich endlich wieder an die Arbeit“, rief das Stimmchen. „Auch unsereiner hat zu arbeiten.“
Frau Schmittke lachte. War sie denn von allen guten Geistern verlassen, hier Gespräche mit einem unsichtbaren Wesen zu führen? Sah sie etwa schon Gespenster?
„Ich rufe nun meine Freunde und dann wirst du sehen, wer ich bin!“, sagte das Stimmchen da.
Im gleichen Moment fielen erste Schneeflocken vom Himmel. Eine setzte sich auf Frau Schmittkes Nase und grüßte mit einem fröhlichen ‚Hallo!‘, bevor sie auch schon wieder dahinschmolz.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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