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Lotta, Leon und der Valentinstag

„Im Supermarkt werde ich sicher kein Valentinsgeschenk finden!“ Lotta schmollt. Ihre große Schwester will nicht mit ihr in die Stadt fahren. Dabei möchte Lotta so gern ein tolles Geschenk für ihren Angebeteten kaufen. Zu blöd aber auch, dass es hier draußen keinen Laden gibt, vom Supermarkt abgesehen.
„Nimm doch Pralinenküsschen oder so was!“, schlägt Mama vor. Lotta rollt mit den Augen.
Pralinenküsschen, das ist doch öde. Das kann jeder und außerdem weiß sie gar nicht, ob Leon Pralinen mag.
„Was Gekauftes ist sowieso blöd!“, behauptet Papa. „Kannst du ihm nicht was basteln?“
„Ich bin doch kein Baby mehr, das Selbstgebasteltes verschenkt“, stöhnt Lotta.
„Vielleicht könntest du eine Handytasche nähen, das ist doch etwas Besonderes, oder?“, fragt Mama. „Ich habe noch viele Stoffreste, sollen wir mal gucken?“
Widerwillig folgt Lotta ihrer Mutter in den Keller. Dort hat Mama sich ein Nähzimmer eingerichtet. Gemeinsam nehmen sie die vielen Stoffe in Augenschein.
„Leon hat doch ein Handy, oder?“, fragt Mama und hält Lotta einen Stoff mit kleinen süßen Kätzchen hin. „Schau mal, ist der nicht goldig?“ Lotta hustet.
„Er hat eine Katzenallergie!“, keift sie und hustet weiter, gerade so, als bekäme man von Katzen auf Stoffen Hustenanfälle.
„Also nicht!“, stellt Mama fest und sucht weiter. Sie findet einen Stoff mit Herzchen – kitschig, einen mit Fröschen – albern, einen mit Rosen – Weiberkram und einen mit Schneemännern – kindisch!
„Wir nehmen einen ganz schlichten Stoff und sticken was drauf!“, fällt Mama ein. Doch auch das findet Lotta blöd.
Als Lotta später auf ihrem Bett liegt und über Leon nachdenkt, hat sie plötzlich eine Idee. Leons Oma ist vor ein paar Monaten gestorben. Lotta weiß noch, wie traurig er war und wenn er von ihr erzählt, dann klingt die Sehnsucht durch, die er nach ihr hat. Die beiden waren ein Herz und eine Seele. „Oma konnte Apfelgelee kochen wie keine andere!“, hatte er mal erzählt und geschwärmt, wie lecker ein frisches Brötchen mit Omas Apfelgelee war.
„Das ist es!“, ruft Lotta und rennt fröhlich nach unten, in die Küche.
„Mama, hast du ein Rezept für Apfelgelee?“, fragt sie ihre Mutter.
„Ich habe noch irgendwo Omas Rezeptbuch, da müsste es drin stehen.“
Sie suchen und finden und schnell schreibt Lotta die Zutaten auf. Dann macht sie sich auf den Weg in den Supermarkt und kauft ein. Apfelsaft, die beste Sorte, Gelierzucker, Zitronen, Zimt und dann entdeckt sie noch eine Geschenkpackung mit kleinen silbernen Herzchen. ‚Die könnte ich an das Glas hängen!’, denkt sie und macht sich glücklich auf den Heimweg.
Zusammen mit Mama sucht sie im Keller ganz besonders schöne Marmeladengläser aus und dann kochen Mutter und Tochter Apfelgelee. Sechs Gläser werden es und es riecht nicht nur köstlich, sondern schmeckt auch so.
Später am Abend, als die Gläser abgekühlt sind, macht sich Lotta ans Verzieren. Sie schneidet einen Kreis aus dem Schneemannstoff aus, den sie plötzlich gar nicht mehr kindisch findet. Damit wird der Deckel geschmückt, indem er mit einem Gummi befestigt wird. Dann kommt eine rote Schleife drum, an deren Enden jeweils ein silbernes Herz hängt. Sie malt ein Schild „Leons Apfelgelee“ und klebt es das Glas. Zufrieden betrachtet sie ihr Werk. Sie ist ganz sicher, dass Leon sich freuen wird.
„Und was ist mit den restlichen Gläsern?“, fragt Papa.
„Die bekommt Leon nach und nach, aber nur, wenn es ihm schmeckt!“
„Und ich?“, schmollt Papa und tut so, als kommen ihm die Tränen.
„Du bekommst natürlich auch eins, weltbester Papa. Aber erst morgen, denn da ist Valentinstag und man beschenkt seine Allerliebsten!“
Wie gut, dass es sechs Gläser geworden sind, denn da sind ja auch noch Mama, die große Schwester und Oma – bleibt nur noch eines übrig – aber leere Gläser gibt es noch genügend im Keller.

Wie die Überraschung für Leon angekommen ist, das erzähle ich demnächst mal. Erst mal gucken, wie er guckt!

© Regina Meier zu Verl 2015

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