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Rosenliebe
Wenn Opa Oma Rosen schenkt und Gedichte und einen ‚rosigen‘ Namen

Opa Heiner liebt Gedichte und Rosen. Sein liebstes Röschen aber ist Oma Marie, die er gerne ‚meine über alles geliebte Rosemarie‘ nennt. Oma Marie mag auch Gedichte und Blumen und sie liebt Opa Heiner. Aber sie hasst es, seine ‚Rosemarie‘ zu sein.
„Hör mir auf mit diesem affigen Namen!“, schimpft sie, wenn Opa Heiner sie ‚Rosemarie‘ nennt. Sie verzieht dabei das Gesicht, als hätte sie Zahnschmerzen, und das sieht zum Kringeln komisch aus. „Ich mag ihn nicht leiden. Ich finde, er macht mich alt. Und spießig ist er auch.“
Das stimmt. Die ‚Rosemarie‘ klingt superspießig. Dieser Name malt ein Bild von einer lieblich lächelnden Frau, die ein altmodisches Blümchenkleid mit einer weißen Schürze trägt und mit einem Rosenkörbchen im Arm durch einen Garten schreitet, in die Gedanken. Und dieses Bild passt nicht zu Oma Marie, die eine moderne Frau ist.
Opa Heiner aber sieht wohl ein anderes Bild in seiner ‚Rosemarie‘.
„Diese Rose passt gut zu dir, du meine Marie“, antwortet er dann und lächelt so lieb, dass Oma Marie keine Lust mehr zum Schimpfen hat. Manchmal sagt er auch den Vers von dem Dichter Heinrich Heine auf, der auf Omas Lieblingsblumenvase geschrieben steht:
„Als die junge Rose blühte
Und die Nachtigall gesungen,
Hast du mich geherzt, geküsset,
Und mit Zärtlichkeit umschlungen.“ (Heinrich Heine) *
Also, der Vers steht natürlich auf der Vase, nicht der Dichter. Es ist eine schmale Vase aus tiefblauem Murano-Glas. Die steht immer mit einer frischen Rosenblüte im Bücherregal und ist eine Erinnerung an den Urlaub in Venedig, wo sich die beiden kennen gelernt haben.
„Ich bin keine junge Rose mehr“, knurrt Oma Marie dann. „Was bist du doch für ein Schmeichler!“
„Und Opa antwortet wieder mit einem Gedicht, eines, das er dann schnell selbst dichtet. Und das klingt zum Beispiel so:
„Wenn du schmollst, mein Röslein, du,
Liebe ich dich noch viel mehr
Und ich nehm dich in den Arm,
Ja, das mögen wir doch sehr.“
Ganz lustig wird es dann, wenn Oma Marie zurück dichtet. Das tut sie nämlich manchmal auch:
„Wenn du meinst, du kannst mich blenden,
Irrst du dich, mein liebster Mann.
Solches, das kann böse enden,
Drum fang damit gar nicht an.“
Das mit den Gedichten kann stundenlang so weitergehen und endet damit, dass Oma nicht mehr meckert und Opa ‚Danke, meine liebe Rosemarie‘ sagt und dann, ja, dann geht oft das ganze Geschimpfe und Verseschmieden von vorne los. Zum Totlachen lustig ist das manchmal. Echt wahr. Sie sind halt so, meine Großeltern. Witzig und cool.

© Elke Bräunling

* Als die junge Rose blühte, 1. Vers eines Gedichtes von Heinrich Heine

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