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Opas Hortensiengarten
Eine fröhliche Erzählung für Senioren

Die Hortensien blühten in diesem Jahr wunderbar. Blütenball an Blütenball, es war eine wahre Pracht. Gleich drei verschiedene Farben gab es in Omas Garten: weiße, blaue und rosafarbene. So schön sah das aus, dass die Leute am Gartenzaun stehen blieben und staunten. Manche fotografierten die Hortensienbüsche auch, weil sie ihnen so sehr gefielen.
Opa aber gefiel das immer weniger.
„Immer diese Leute mit ihren Fotohandys oder wie die Dinger heißen. Das gab es früher nicht und wir haben es auch nicht gebraucht. Nicht alles was neu ist, ist auch gut!“, wetterte er und schüttelte unwillig mit dem Kopf.
Insgeheim gab Oma ihm recht. Ihr gefiel es aber auch, dass die Leute ihren Garten und vor allem die Hortensien ebenso liebten wie sie.
„Stell dir nur vor, wie viele Leute nun unsere Blumen ansehen können! Nicht nur einmal.“ Sie überlegte kurz. „Auch Menschen, die nicht gut zu Fuß oder krank sind, lernen unseren Garten auf Bildern kennen. Ist das nicht wundervoll?“
Opa überlegte einen Moment, dann grinste er und verschwand in seiner Werkstatt hinterm Haus. Als er zurückkam, trug er ein Schild bei sich, das er zuerst gezimmert und dann beschriftet hatte. In großen Buchstaben stand drauf:
„Gaffen verboten! Fotografieren erlaubt!
Es grüßen und winken
die Hortensien im Garten
von Familie Rinken.“

Oma lachte und konnte sich gar nicht wieder beruhigen.
„Fritz Rinken, du bist ein Genie!“, rief sie freudig und half ihm, das Schild zwischen den Hortensienbüschen zu platzieren. „Es passt und es sieht fein aus, das Schild in den Blumen“, meinte sie.
Das fanden die Leute, die des Weges kamen auch. Sie sahen das Schild und die Blütenbüsche, blieben stehen und staunten und gafften noch mehr. Und über das Staunen und Gaffen vergaßen sie oft ganz das Fotografieren.
Zwei Tage später stand sogar in der Regionalzeitung ein kleiner Artikel über das Schild. Mit Foto. Das war Opa Rinken dann doch etwas peinlich. Er entfernte das Schild wieder und regte sich fortan nicht mehr darüber auf, wenn jemand stehen blieb und fotografierte. Sollten sie doch alle machen was sie wollten. Vielleicht bereiteten seine Hortensien ja wirklich einem Einsamen oder Kranken eine Freude, und wenn es auch nur mit einem Foto war.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

HortensienblueteHortensienblüte

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