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Grüne Tomaten
Kleine Erzählung für Senioren

„Grün, grün. grün sind all meine Tomaten, grün, grün, grün sind alle, die ich seh!“, singt Oma Mathilde.
„Das klingt ja so fröhlich, als freutest du dich über das unreife, grüne Zeugs!“
Opa Wilhelm schüttelte missmutig den Kopf. Seine Mathilde war immer gut gelaunt und manchmal ging ihm das auf die Nerven. „Überhaupt: Das Lied ist falsch und grüne Tomaten kann man nicht essen.“
„Alter Griesgram!“ Mathilde verzog das Gesicht. „Was brummelst du da? Lass mir meine Tomaten. Du magst sie doch sowieso nicht leiden. Weder die roten noch die gelben und die grünen auch nicht.“
„Die sind ja auch giftig,“, meckerte Opa Wilhelm gleich wieder los. „Außerdem ist mir ein leckeres Schnitzel lieber als immer dieses gesunde Gemüse!“
„Aber meine Tomatensoße isst du ganz gerne dazu, stimmt’s?“
Oma Mathilde lachte. Sie kannte ihren Wilhelm lange genug und ärgerte sich nicht über sein Gebrummel.
„Die ist ja auch …“ Opa Wilhelm brach ab. Er wandte den Kopf ab, zog sein Handy aus der Hosentasche und murmelte:
„Ich glaube, es hat gepiepst. Endlich. Ich warte auf eine Nachricht von Arthur. Wir wollen heute Mittag eine kleine Wanderung machen. In den Hinterwald. Und das Grün dort, das mag ich sehr, wie du weißt.“
„Ja, ja, lenk nur ab. Das kenne ich ja von dir, alter Schwerenöter! Und nun sieh zu, dass du in den Wald kommst!“, sagte Mathilde. Und mit einem verschmitzten Lächeln fügte sie hinzu: „Ich kümmere mich derweil ums Abendessen. Es wird heute nichts mit Tomaten geben. Versprochen!“
Und während Opa Wilhelm mit einem zufriedenen Lächeln wenig später zu seinem Freund Arthur fuhr, machte sich Mathilde auf in den Garten. Tomaten ernten. Leckere Buschtomaten, Cocktailtomaten, Flaschentomaten, Strauchtomaten und noch mehr Sorten, rote, braune und gelbe, und sie notierte im Geist bereits den Küchenplan für die nächsten Tage. Viele leckere Tomatengerichte von der Soße bis zum Kuchen, von der Pizza bis zu Salaten fielen ihr ein. Alle für eine köstliche Tomatenwoche. Sie freute sich, während sie Frucht um Frucht in den Erntekorb legte. Nur die grünen, die ließ sie hängen. Für nächste Woche.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl


Die „Tomatenwächterin“

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